Dauernde Steharbeit kann krank machen – Möglichkeiten zur Prävention aus Sicht von Arbeitsschutzexperten

Stehberufe haben lt. Erhebungen der Arbeitsmediziner eine überdurchschnittliche Beteiligung an Arbeitsunfähigkeitsmeldungen.

Untersuchungen zeigen, dass dauerndes Stehen den menschlichen Organismus einseitig belastet und für zahlreiche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie des Muskel-Skelett-Apparates verantwortlich sein kann.
Damit sind die Folgen des Dauerstehens ähnlich denen des Dauersitzens.

Lösungsmöglichkeiten für Stehberufe können also nicht heißen, aus den Dauerstehern Dauersitzer zu machen. Gesucht sind vielmehr Konzepte, die Arbeit bewegender machen und damit die Beschäftigten aus den Zwangshaltungen befreien. Und das gilt sowohl für Dauerstehen oder auch Dauersitzen.

Wer steht, wird müde. Wer allerdings nicht darauf achtet, worauf er steht,ermüdet noch schneller! Das jedenfalls hat eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ergeben, die den Einfluss von elastischen Bodenbelägen auf die Stehqualität untersucht hat. Danach verringern elastische Bodenbeläge an Steharbeitsplätzen die Ermüdung, sie schonen die Gelenke und die Wirbelsäule – und sie sind gut gegen kalte Füße !
Jeder weiß, dass auf nacktem Beton nicht gut Stehen ist – der Belag ist hart, glatt und kalt. Besser sind rutschhemmende Beläge mit anständiger Wärmedämmung, die leicht federn und nachgiebig sind. Elastische Arbeitsplatzmatten können helfen und für mehr Behaglichkeit und Federung sorgen.

Antiermüdungsmatte am Steharbeitsplatz

In Deutschland muss jeder zweite Beschäftigte oft oder immer bei der Arbeit stehen. Jeder siebente der Beschäftigten fühlt sich durch die Arbeit im Stehen belastet. In vielen Berufsgruppen muss andauernde Steharbeit geleistet werden. Oft sind irreversible chronische Gesundheitsschäden die Folge.

Andauernde Stehbelastung bedeutet eine erhöhte statische Muskelarbeit sowie eine stärkere Beanspruchung des Kreislaufsystems mit möglichen Folgen:

  • erhöhte Beanspruchung von Wirbelsäule und Bandscheiben durch Haltungsschwäche und Fehlhaltung infolge rascher Muskelermüdung
  • Veränderungen von Bändern und Gelenken im Hüft-, Knie- und Fußbereich mit Absinken des Fußgewölbes und der Entwicklung von Senk-, Spreiz- oder Plattfüßen
  • Beeinträchtigung der Blutzirkulation in den Beinen mit Behinderung des venösen Rückflusses, Schmerzen und Missempfindungen
  • Erweiterung der venösen Blutgefäße und Krampfaderbildung

Die meisten Veränderungen können sich in chronische Zustände verwandeln, wenn die Stehbelastung lange anhält.

Bei der Risikobeurteilung unterscheidet man

  • Risikobereich 1: bis 2,5 Std. Stehen – geringe Stehbelastung mit Anteil Sitzen zu Stehen / Gehen wie 1:2
  • Risikobereich 2: mehr als 2,5 bis 4 Stunden Stehen – erhöhte Stehbelastung – Überlastung bei vermindert belastbaren Personen möglich – Gestaltungsmaßnahmen sind empfehlenswert
  • Risikobereich 3: Mehr als 4 bis 5,5 Stunden Stehen – gesundheitliche Auswirkungen für normal belastbare Personen sind möglich, Beschäftigungsverbot für Schwangere nach Ablauf des 5. Monats – Gestaltungsmaßnahmen sind erforderlich
  • Risikobereich 4: Mehr als 5,5 Stunden Stehen – hohe Stehbelastung – gesundheitliche Auswirkungen für normal belastbare Personen sind wahrscheinlich – Gestaltungsmaßnahmen sind zwingend erforderlich

Elastische Bodenbeläge und Antiermüdungsmatten, die insbesondere an Steharbeitsplätzen zur Belastungsminderung empfohlen werden, reduzieren in erster Linie die Belastungen des Muskel- und Skelettsystems beim Auftreten und Abrollen des Fußes. Für lang andauernd stehende Arbeitshaltungen dämpfen sie die Belastung nur beim Standbeinwechsel und wirken oft Wärme isolierend.

Literatur und Quellen:

Stehend K.O. – Wenn Arbeit durchgestanden werden muss
Herausgeber: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin / Friedrich-Henkel-Weg 1–25, 44149 Dortmund-Dorstfeld / www.baua.de

Bewegungsergonomische Gestaltung von andauernder Steharbeit
Herausgeber: L änderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) ISBN: 3-936415-31-5

Informationen der AGR (Aktionsgemeinschaft gesunder Rücken) zu Arbeitsplatzmatten und ihre Vorteile

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